Reisebericht Marrakesch

Ein Reisebericht über aufregende Landschaften, alte Kulturen, moderne Menschen und Orte voller mystischer Magie. Marrakesch, die Perle im Süden Marokkos, macht uns Reisenden die Liebe auf den ersten Blick wahrlich leicht.

Altstadtpalast Riad Sherazade

Die Sonne brennt, der Wüstenstaub kriecht in unsere Poren, fremde Düfte kitzeln in unserer Nase und der liebeskranke Gesang eines Esels vermischt sich mit arabischer Popmusik und dem Hämmern eines Schmieds zu einer orientalischen Symphonie. Wir sind in Marrakesch, der märchenhaften Millionenstadt in Marokkos Süden zwischen Tradition und Moderne. Mein Mann und ich wollen fünf Tage lang die Stadt erkunden, shoppen und stöbern sowie im Anschluss drei Tage den Ruf des legendären Sternenhimmels über dem Atlasgebirge folgen. Wir haben uns im Riad Sherazade einquartiert, einem renovierten Altstadtpalast nur ein paar Schritte vom Gauklerplatz Djamaa el- Fna entfernt. Unser Zimmer erinnert an 1001 Nacht: Lehmfarbene Wände mit Lasur, ein Diwan voller Kissen für die Nacht und die Muezzin- Rufe im Morgenrot. Wir schlafen trotzdem aus und genießen dann beim Frühstück auf der Dachterrasse den Blick auf einen Springbrunnen und Oleander.

Auf dem Weg in Richtung Souk

Um uns gleich einzuleben machen, wir uns auf den Weg in Richtung Souk. Wir schlängeln uns zwischen Mopeds und Eselskarren durch, atmen das Duftgemisch aus Minze, Myrrhe und Gewürzen ein und entdecken immer neue Läden voller kleiner Wunder. In einem ein Meter schmalen Shop finden wir neben einem getrocknetem Chamäleon und Bündeln geheimnisvoller Rinde Wascherde für zarte Haut. Nach geduldigem Argumentieren mit Händen und Füßen gelingt es uns, den Preis um die Hälfte herunterzuhandeln.

Marokkanische Kunst

In den nächsten Tagen überlassen wir uns dem Zauber der Stadt mit ihren Bewohnern: Europäer im Anzug, junge Marokkanerinnen in engen Jeans, verschleierte Matronen in Schwarz und Kinder, die uns strahlend immer wieder auf den richtigen Weg bringen, wenn wir uns verlaufen. Wir können der marokkanischen Kunst nicht widerstehen und kaufen handgemachte Ziegenlederpantoffeln und mit Leder bespannte Lampenschirme, und landen immer wieder auf dem Djamaa- el- Fna- Platz. Bald fühlen wir uns wie zu Hause: Der Schlangenbeschwörer grüßt uns schon und die Wahrsagerinnen schielen nur noch pro forma nach unseren Händen. Nach dem Essen trinken wir am liebsten auf der Terrasse des „Cafè Glacier“ einen Minztee und schmunzeln über die ratlosen Touristen, wenn sie nicht mehr wissen, aus welcher Richtung sie gekommen sind. Und genau das nenne ich Urlaub.

Park Majorelle

An unserem letzten Tag in Marrakesch stehen wir früh auf, um den Park Majorelle im Norden der Stadt zu besuchen. Yves Saint Laurent hat das Gelände gekauft und das Lebenswerk des französischen Kunstmalers Majorelle für Besucher geöffnet: eine Oase voller Lilien, Palmen, Bambus und Wasserbecken mit Goldfischen. Wir genießen auf den Steinbänken die Ruhe und ziehen eine Siesta dem kobaltblauen Privatmuseum vor. Das gucken wir das nächste Mal an. Nach einer Runde Schlaf schlendern wir abends erholt wieder durch die Medina, bis uns eine Lichterspur aus Kerzen zu einer eisenbeschlagenen Tür führt. Dahinter entdecken wir das Riad Tamsna, einen edel schlicht renovierten Palast, in dem sich eine Mischung aus Galerie, Buchhandlung, Restaurant und Lounge verbirgt. Bei Couscous und Mandelkuchen stoßen wir mit eisgekühlten Flag Bier auf unsere Tage in Marrakesch an und machen uns auf zu unseren letzten Stadion: dem „Le Pacha“- Club, Marrakeschs neuste In- Location. Vorbei an Fackeln und freundlichen Türstehern gelangen wir in den Techno- Tempel, der genauso in Paris oder London stehen könnte. Die Mädels tragen statt Djellabas bauchfreie Tops und Highheels, die Jungs ordern Wodka und Red Bull. Je später es wird, desto hemmungsloser knutschen die Paare. Wir lassen uns einfach treiben und sitzen auch bald kuschelnd auf den vielen einladenden Liegewiesen.

Kasbah Ait Ben Haddou die Lehmstadt

Jedenfalls ist es die richtige Einstimmung auf unseren Jeep- Ausflug mit zwei Übernachtungen unter freien Himmel. Nach dem Gewimmel der Stadt erwartet uns eine völlig neue Kulisse. Die ersten Ausläufer des Atlasgebirges sind graue Berge, auf denen sich nur wenig zartes Grün hält. Über staubige Schotterpisten kriecht unser Jeep in Serpentinen über den Pas Tizin´Tichka auf mehr als 2000 Metern Höhe. Dahinter ist die Welt rot wie Lehm. Unser Ziel: die Kasbah Ait Ben- Haddou, in der schon Bernardo Bertlucci und Martin Scorese Filme gedreht haben. Die gut erhaltene Lehmstadt klebt am Berg wie ein Termitenbau, mit kleinen Zimmern, Dachterrassen und Durchgängen. In einem Innenhof knabbert ein Esel an trockenen Grashalmen, in einem anderem dreht ein syrisches Filmteam. Wir steigen immer weiter hoch, bis die Landschaft vor uns liegt wie ein Aquarell: sandfarbene Berge, grüner Grasschimmer, rötlicher Abendhimmel. Derweil hat unser Guide ganz in der Nähe unser Camp für die Nacht aufgebaut. Nach Couscous und Tee kriechen wir in unsere Schlafsäcke. Über uns funkeln Millionen von Sternen. Eine leuchtend helle Sternschnuppe jagt schräg darüber und uns fällt vor lauter Glück gar kein Wunsch ein.

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