Reisebericht Nordägypten – ein mediterraner Traum

Zugegeben, meine Reise nach Nordägypten liegt schon etwas zurück, dennoch sind die Eindrücke nach wie vor so präsent, als hätte ich sie gestern erst erlebt. Ägypten erreichten wir im Rahmen einer Mittelmeerkreuzfahrt, die uns die Höhepunkte des ägyptischen Nordens bescheren sollte, hier nun mein Reisebericht.

Hafen von Alexandria

Nachdem unser Schiff nach zwei Tagen auf See endlich frühmorgens im Hafen von Alexandria vor Anker ging, war die Spannung in uns bereits ins Unermessliche gestiegen. Wir würde Ägypten sehen, einen Teil zumindest, dieses Land, das eine der größten Hochkulturen der Antike beherbergte und auch heute noch zahlreiche Überreste als Zeitzeugen dieser Epoche präsentiert. Ägypten, das ist Mediterraneum gleichsam wie der Eintritt in die arabische Welt, ein Zauber von Tausend und einer Nacht. Unsere Erwartungen waren hoch und sollten nicht enttäuscht werden. Ein Höhepunkt des Urlaubs stand unmittelbar bevor.

Kurz nachdem das Schiff angelegt hatte, durften wir an Land gehen und eine Stadtrundreise mit dem Bus machen, desweiteren erwartete uns ein Abstecher ins naheliegende Nildelta. Es war schon ein erhabenes Gefühl dort zu sein, wo Alexander der Große seine letzte Ruhestätte fand, wo einst in der Hafeneinfahrt eines der legendären Sieben Weltwunder stand, nämlich der Pharos, ein antiker Leuchtturm und wo sich in der Antike die sagenumwobene große Bibliothek, die größte der damaligen Welt, befunden haben soll. Unsere Rundfahrt führte uns vorbei an der neuen Bibliothek von Alexandria direkt in das griechisch-römische Museum, das viele Ausstellungsstücke aus etwa vier Jahrtausenden enthält. Die Pompejus-Säule war eines der Highlights dieser Rundfahrt, aber am meisten beeindruckt hatte mich die Gräberanlage von Kom El-Shoqafa, wobei es sich um eine riesige Katakombenanlage handelt.

Nildelta

Die Stadtrundfahrt dauerte etwa den Vormittag an und es schloss sich eine Busrundfahrt durch das Nildelta an, bevor es abends zurück aufs Schiff zur Übernachtung ging. Die Rundfahrt führt über Rosetta, in dessen Nähe Ende des 18. Jh. der legendäre „Stein von Rosetta“ gefunden wurde. Mit dessen Hilfe gelang es seinerzeit Wissenschaftler erstmals, ägyptische Hieroglyphen gesichert zu übersetzen, weil neben der altägyptischen Bilderschrift gleich noch eine griechische Übersetzung auf dieser Steinplatte zur Verfügung stand. Entlang des mittleren Nilmündungsarmes fuhren wir etwas südlich hinunter über Kafr-Ash-Shaikh weiter östlich nach El Mansoura und von dort aus strikt gen Osten nach Port Said. Hier hatten wir einen kurzen Aufenthalt.

Port Said und der Suez-Kanal

Diesen verbrachten wir auf dem großen Basar, der uns alle nur erdenklichen orientalischen Dinge bescherte. Hier hatte ich auch meine ersten Lektionen im „Feilschen“, und als ich tatsächlich bei einem wunderschönen Seidentuch 35 % Preisnachlass herausschlug, fühlte ich mich wie jemand, der gerade sein Abiturzeugnis in die Hand gedrückt bekommen hatte. Der Bus fuhr weiter mit einem Abstecher zum Suez-Kanal die Küste entlang bis Damietta. Diese Stadt ist sehr reizvoll, da sie so gesehen vom Nil geteilt wird, d.h. zu seiner Rechten und Linken gebaut ist. Wir hatten   Gelegenheit, uns mit echt orientalischen Süßigkeiten zu versorgen. Das musste einfach sein. Immerhin sind die Orientalen bekannt für ihre süßen Köstlichkeiten, auch wenn diese einen Angriff auf die Hüften darstellen. Aber im Orient wird das „Hüftgold“ in der Tat noch als besonderer Reichtum vor allem beim weiblichen Geschlecht betrachtet. Nachdem die Zeit schon reichlich vorgerückt war, fuhren wir mit dem Bus weiter die Küste entlang zurück über Rosetta bis nach Alexandria, wo unser Schiff uns erwartete. Ein wunderschöner Tag neigte sich dem Ende zu und morgen sollten wir das Highlight Ägyptens sehen, die Hauptstadt Kairo mit einem Abstecher nach Al Giza mit seinen berühmten Pyramiden.

Kairo, Hauptstadt von Ägypten

Auch am nächsten Tag ging es wieder recht früh los. Unser Bus fuhr uns direkt nach Kairo, wo uns zunächst eine Stadtrundfahrt erwartete. Diese Rundfahrt blieb mir besonders in Erinnerung. Der Grund war, dass ich ägyptische Metzgereien vom Busfenster aus sehen und fotografieren konnte. Die Metzgerei – und das war in Kairo keine Ausnahme, sondern fand sich nahezu an allen Ecken wieder – bestand aus einem kleinen würfelförmigen Lehmbau. Die Sonne brannte bereits ziemlich heiß, obwohl sie von sengenden Mittagshitze noch sehr weit entfernt war. Außen, kurz über dem Boden, so etwa auf Kniehöhe, hingen die Tierkadaver, vermutlich Rinderhälften und Lammfleisch. Ein alter Mann saß dazwischen, die Sonne schickte erbarmungslos ihre Strahlen auf das offen hängende Fleisch. Fliegen umkreisten die Kadaver und ein Straßenköter knabberte gerade an einem Stück, das er unbemerkt von dem Alten erreichen konnte. Im Leben hätte ich hier kein Fleisch gekauft. In Kairo störte sich niemand daran und tatsächlich kamen wohl Kunden an, die gerade mit dem Alten über den Preis verhandeln wollten. Das war eine völlig andere Welt. Es ging vorbei an typisch arabischen Tiermärkten, auf denen sich zahlreiche Männer in ihren weißen Gewändern tummelten und ab und zu auch eine verschleierte Frau.

Ägyptisches Museum

Wir fuhren geradezu zum Ägyptischen Museum, ein Muss für jeden, der nach Kairo kommt. Eigentlich hätte ich persönlich noch gerne das Islamische Museum besichtigt mit seinen Schätzen islamischer Kunst, doch leider reicht dafür auf einer organisierten Rundreise kaum die Zeit. Immerhin wollten wir ja noch die Pyramiden sehen. Nach dem Rendezvous mit den Überbleibseln von Tut-Anch-Amun im Museum, hatten wir Gelegenheit zu einer kurzen Kaffeepause, danach ging es sofort weiter nach Al Giza. Endlich!

Pyramiden

Ich kannte die Pyramiden nur von Bildern, nun sollten wir sie leibhaftig sehen. Die Pyramiden von Gizeh waren der absolute Höhepunkt dieses Ägyptenabstechers. Das große Pyramiden-Trio mit den Pyramiden des Chephren, des Cheops und des Mykerinos lagen greifbar vor uns und davor die drei kleinen Königspyramiden. Ich taufte diese sogleich um in „Tick, Trick und Track“, die mit „Donald und Dagobert Duck und Gustav Gans“ einen Wüstenspaziergang unternahmen. Beeindruckend war auch der Sphinx. Diese Abstecher waren fantastisch und meine Schuhschachteln um etwa 200 Fotos reicher. Das alles musste fotografiert werden, wer weiß, wann wir wieder einmal den Zauber Ägyptens erleben werden. Wer noch nicht dort war, sollte unbedingt hinfahren. Moderne westliche Bauten treffen auf urwüchsiges, traditionelles Arabertum. Man muss es einfach gesehen haben. Eine Rundreise durch Nordägypten ist äußerst spannend und durchaus empfehlenswert.

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