Reisebericht Sizilien

Lesen Sie diesen Reisebericht über die schöne Insel Sizilien und bilden Sie sich selbst Ihre Meinung. Unweit der Stiefelspitze Italiens liegt Sizilien, die größte und bevölkerungsreichste Insel im Mittelmeer. Sie ist durch eine schmale Meerenge, die Straße von Messina, vom kalabrischen Festland getrennt. Nach wie vor gibt es da nur den Fährbetrieb, denn obwohl seit grauer Vorzeit der Bau einer Brücke diskutiert wird, scheiterte dieses ehrgeizige Projekt bis jetzt an finanziellen, geographischen und ökologischen Bedenken.

Die Reiseberichte über Sizilien versprechen nicht zu viel, wenn sie von unvergesslichen Begegnungen und grandiosen Landschaften schwärmen. Unseren vierzehntägigen Urlaub verbrachten wir im Hotel „Baia del Capitano“, nahe des kleinen malerischen Badeörtchens Cefalu an der Nordküste Siziliens. In der arabisch geprägten Altstadt von Cefalu hinterließen unzählige antike Völker ihre Spuren, an die noch heute verschiedene Baudenkmäler erinnern.

In der Via Vittorio Emanuele befindet sich ein sarazenisches Waschhaus, erreichbar ist es über eine steil hinab führende Treppe. In den Wasserbecken wuschen die Frauen noch bis in das vergangenen Jahrhundert öffentlich ihre Wäsche. Der aus dem 12. Jahrhundert stammende Dom mit seinen byzantinischen Mosaiken im Altarraum ist ein imposantes Beispiel normannischer Baukunst. Ein Spaziergang zur steil aufragenden Felswand La Rocca belohnt an klaren Tagen mit einem Blick bis zu den Vulkankuppen der Äolischen Inseln.

Ätna

Unbestrittenes Wahrzeichen von Sizilien ist der hoch aufragende Gipfel des Vulkans Ätna mit seiner typischen Rauchfahne. Er diente schon im dritten Jahrhundert vor Christus als natürliche Kulisse für das griechische Theater von Taormina. Später, zu Zeiten der Römer, fasste das Theater, in dessen Ruinen der einstige Glanz der Antike noch zu ahnen ist, dreißig tausend Zuschauer. Auch in der heutigen Zeit finden hier wieder Konzertveranstaltungen statt. Das terrassenförmig angelegte Städtchen Taormina fand schon in Reiseberichten vergangener Jahrhunderte besondere Beachtung und wurde so zum Ausgangspunkt für die Ausbreitung des Tourismus auf Sizilien. Der autofreie Altstadtkern mit den alten Patrizierhäusern und seine Flaniermeile Corso Umberto lädt zum Bummeln und Kaufen ein.

Eine geplante Besteigung des Ätna musste im diesjährigen Urlaub leider ausfallen, denn wenige Tage vor Antritt unserer Reise kam es zu einem schweren Vulkanausbruch. Dabei wurde auch die Seilbahn zerstört und die Bergstation unter dem glühenden Lavastrom begraben. Eine Landung auf dem Flughafen Catania war zu diesem Zeitpunkt noch möglich, spätere Flüge wurden wegen anhaltendem Ascheregen auf andere Flugplätze umgeleitet. Das faszinierende Schauspiel des feuerspeienden Vulkans war bei Nacht am besten zu beobachten. Deshalb boten die einheimischen Reisebüros Fahrten zu dem unmittelbar von den Lavaströmen bedrohten Dorf Nicolosi an. Wir gingen soweit es die Carabinieri erlaubten, an den Vulkan heran. Durch den ungünstig stehenden Wind waren wir nach wenigen Augenblicken mit einer schwarzen Rußschicht bedeckt und diese blieb durch die schwülen Temperaturen auch auf der Haut kleben. Doch wir empfanden es nicht als unangenehm, es gehörte in dieser außergewöhnlichen Situation einfach dazu.

Palermo

Siziliens Hauptstadt Palermo verbindet sich in den Reiseberichten mit dem Begriff Mafia und der von ihr ausgehenden Gefahr. Doch wir fanden keine reale Bedrohung, sondern standen als zahlende Touristen unter dem besonderen Schutz der „Ehrenwerten Gesellschaft“. Weitaus halsbrecherischer fanden wir den sizilianischen Straßenverkehr, in den wir uns mit einem gemieteten Auto verwegen einordneten. Hier gilt die Regel: Wer zuerst kommt, fährt auch zuerst los, Verkehrszeichen und Ampeln sind nur ein höflicher Hinweis.

Der Normannenpalast in Palermo und der Dom von Monreale sind nur einige der Kunst- und Kulturstätten, die einen Reise lohnen. Der Dom ist ein wahres Meisterwerk der antiken Baukunst. Eine Attraktion der etwas makaberen Art fanden wir außerhalb von Palermos Stadtkern in den Katakomben des Klosters Convento dei Cappuccini. Tausende Skelette und verwesende Leichname in vermodernden Kleidungsstücken stapeln sich in den Nischen und an den Wänden der langen Gänge. Doch zum Glück gehört diese Form der Bestattung seit vielen Jahren der Vergangenheit an.

Syrakus

Eine Reise nach Syrakus, seit 2005 Weltkulturerbe, ist für Kunstliebhaber unumgänglich. Dort befindet sich der älteste dorische Tempel auf Sizilien und macht den Ort damit zur bedeutendsten archäologischen Stätte des Mittelmeerraumes. Antike Sehenswürdigkeit ist das griechische Theater, das mit fünfzehntausend Plätzen zu den größten des Altertums gehörte. Eine weitere Attraktion ist die sechzig Meter tief in den Fels gehauene Grotte „Ohr des Dionysos“ mit ihrer erstaunlichen Akustik. Vielleicht war der Steinbruch ein Gefängnis und dank der vorzüglichen natürlichen Schallverstärkung gut zum Belauschen der Gefangenen geeignet. Oder die Grotte diente religiösen Zwecken, doch das sind alles nur Vermutungen, auch die Forscher tappen da im Dunkeln.

Tempel von Agrigent

Der Tagesausflug zu dem Ruinenfeld im Tal der Tempel von Agrigent führte uns durch die einzigartige sizilianische Hügel- und Berglandschaft. Wir durchquerten den Madonien-Naturpark mit seinen kleinen Bergdörfern, in denen wir Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hautnah erleben durften. Da wir uns etwas verirrt hatten, wurden wir mit Gestik und teilweise abenteuerlichen Landkarten auf den richtigen Weg gebracht. Die Vegetation des Naturschutzgebietes ist artenreich und mediterran, einsame Straßen winden sich durch dichte Korkeichenwälder und Olivenhaine. In der Nähe von Castelbuono wachsen die Manna-Eschen. Aus ihren Rinden wird der wertvolle Rohstoff Manna gewonnen und zu Süßspeisen verarbeitet. In Agrigent stehen mehr als zwanzig antike Bauwerke. Die noch gut erhaltenen Concordiatempel, Junotempel und Herkulestempel haben von ihrer Erhabenheit nichts eingebüßt, aber selbst den zerstörten Tempeln sieht man ihre einstige Schönheit noch an.

Enna

Tief im kargen Inneren von Sizilien, über eine Panoramastraße erreichbar, führt unsere Reise nach Enna. Die höchstgelegene Provinzhauptstadt Italiens erhielt auf Grund ihrer strategisch günstigen Lage schon zu Zeiten der Römer den Beinamen „Nabel Siziliens“. Nur wenige Kilometer südlich davon liegt das Städtchen Piazza Armerina. Die berühmteste Sehenswürdigkeit in seiner Nähe ist die Villa del Casale, die im 12. Jahrhundert durch einen Erdrutsch verschüttet wurde. Nach ihrer Wiederentdeckung und Ausgrabung wurde die einzigartige Anlage zum Weltkulturerbe erklärt. In der römischen Kaiservilla schufen nordafrikanische Künstler farbenfrohe und sinnliche Fußbodenmosaiken, die über Laufstege von den Touristenströmen besichtigt werden können.

Auf der Insel Sizilien darf natürlich auch das Baden nicht zu kurz kommen, weitläufige Sand-, Kies- und Felsstrände locken den Besucher in die Fluten des Mittelmeers. Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit, bis weit in den Frühling hinein an den Hängen des Ätna Wintersport zu treiben. Im Urlaub kommt es vor allem auf die gute Küche an, die mediterrane ist ausgesprochen wohlschmeckend und gesund. Wer einmal sizilianische Weine und köstliche Eissorten probiert hat, kommt früher oder später wieder zurück nach Sizilien.

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